Lorenz Hess ist neuer Präsident des BEJV

Der Berner Jägerverband hat einen neuen Präsidenten: Lorenz Hess. Der 48-Jährige will die Jäger aus der politischen Schusslinie heraushalten. Mit speziellen Aktionen für die Jugend will Hess die Nachwuchsförderung forcieren.

(Berner Zeitung BZ) «Die Jagd ist wohl in meinen Genen», sinniert Lorenz Hess, «und wurde mir in die Wiege gelegt». Schon von Kindsbeinen an habe er seinen Vater auf der Jagd begleitet, erinnert sich der 48-Jährige, der am Samstag in Perrefitte zum Präsidenten des 3172 Mitglieder zählenden Berner Jägerverbandes gewählt wurde. Hess löst Peter Zenklusen ab, der am 1.Mai zum höchsten Jäger der Schweiz gewählt werden will. Die Ersatzwahl kommt für Hess, der bisher Vizepräsident war, überraschend und «war für 2010 nicht geplant».

 

Die vielen Ämter
Bleibt die Frage: Wie bringt Lorenz Hess all seine Mandate, Ämter, Familie und Beruf unter einen Hut? Denn der verheiratete PR-Mann ist nicht nur Vater von drei Töchtern, sondern auch Gemeindepräsident von Stettlen, BDP-Grossrat, Präsident des Verbandes bernischer Gemeinden und Partner in einer Kommunikationsberatungsfirma.

 

«Auch wenn man es mir nicht glaubt: Familie und Firma haben Vorrang», betont Hess. Dass das Geschäft laufe, sei zentral. Deshalb gehöre er im Grossen Rat keiner ständigen Kommission mehr an, und 2012 will er kaum mehr zur Wiederwahl als Gemeindepräsident von Stettlen antreten. «Politik war nie mein Leben», sagt Hess. Lieber wolle er sich als Präsident der Berner Jägerinnen und Jäger für deren Anliegen starkmachen: «Wenn man Jagd betreibt, dann ist das weit mehr als ein Hobby. Es ist Leidenschaft und Passion.» Der Einsatz für die Berner Jagd lohne sich nicht nur, «sondern ist für mich eine innere Verpflichtung». Und das Jägerpräsidium sei auch nicht das Gleiche wie das Präsidium eines Branchenverbandes, wo meist auch finanzielle oder politische Überlegungen die Motivation seien.

 

Die Überalterung
Umkrempeln will Lorenz Hess den 1889 gegründeten Berner Jägerverband nicht. Dieser sei nämlich in einem guten Zustand. Höchstens die Kommunikation nach aussen sowie innerhalb des 29 Sektionen umfassenden Verbandes könne noch optimiert werden, sagt der PR-Profi. Etwas Sorgen bereitet Hess jedoch die zunehmende Überalterung des Berner Jägerbestandes. Dass ausgerechnet die Jäger gegen Nachwuchsprobleme kämpfen müssten, findet Hess fast etwas paradox. Denn: «Viele Outdooraktivitäten, die oft nicht zum Vorteil von Natur und Wild sind, treiben Blüte. Doch wir Jäger, die mit Hege und Pflege sich engagieren und mit der Natur leben anstatt sie mit Hightechgeräten bezwingen zu wollen, haben Nachwuchssorgen.» Deshalb will der neue Jägerpräsident die Jugend für die Jagd sensibilisieren – zum Beispiel durch Referate von aktiven Jägern in den Schulen oder durch Auftritte wie an der Messe «fischen, jagen, schiessen».

 

Die schwarze Liste
Zentral ist für den neuen Jägerpräsidenten, dass der Verband «nach den rauen Zeiten» der letzten Jahre zur Ruhe kommt. Denn eine von Wildhütern geführte schwarze Liste, die Dutzende von negativen Vorkommnissen auf der Berner Jagd akribisch aufführte, hatte in der Bevölkerung zu einem Sturm der Entrüstung und im Grossen Rat zu jagdkritischen politischen Vorstössen geführt. Letztlich aber stellte sich das Berner Kantonsparlament hinter die Jäger. «Ich bin froh, dass der Grosse Rat, in welchem nur zwei aktive Jäger sitzen, die Berner Jagd nicht unnötig einschränkt», erklärt Lorenz Hess.

 

Der Hirsch
Doch können die Berner Jäger das Kriegsbeil begraben und mit den Wildhütern Freunde sein? «Wir sollten partnerschaftlich miteinander umgehen», antwortet Hess, «aber weil die Jagdbehörde auch Kontrollinstanz ist, wird diese nie unser Bruder oder unsere Schwester sein.» Und spätestens seit der bernische Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher (SP) die Jagdverordnung etwas zugunsten der Jägerschaft gelockert und zur Erörterung der Probleme einen runden Tisch institutionalisiert hat, habe sich auch das Verhältnis zum Berner Jägerverband wieder entspannt, bilanziert Lorenz Hess, der in der letzten Jagdsaison unter anderem drei Rehe, eine Gämse und einige Füchse geschossen hat. Einen Hirsch hat Hess nicht erlegt. Vielen Grünröcken ist dies – zum Unmut der Waldbesitzer – so ergangen, weshalb die Hirschpopulation stärker wächst, als die Jagdplanung des Kantons Bern dies definiert hat.

 

Der Luchs
Doch was sagt der neue Berner Jägerpräsident zum Thema Luchs? «Die Daseinsberechtigung des Luchses ist unbestritten, aber das Luchsprogramm ist aus dem Ruder gelaufen. Die Population hat in einem Mass zugenommen, wie dies weder gewünscht noch erwartet wurde. Deshalb sollte man besser früher als zu spät mit der Luchsbewirtschaftung beginnen.»

 

Neu mit Geschäftsstelle

Einstimmig haben die Delegierten des Berner Jägerverbandes am Samstag in Perrefitte den 48-jährigen Lorenz Hess aus Stettlen zum neuen Verbandspräsidenten gewählt. Hess löst den Lysser Peter Zenklusen ab, der die Berner Jäger seit 2005 führte. Zenklusen demissionierte, weil er sich am 1.Mai in Zuoz der Kampfwahl um das Präsidium von «Jagd Schweiz» stellt.

Akzete setzen will Lorenz Hess bei der Nachwuchsförderung sowie bei den Themen Fallwild und Unfallverhütung. Anpacken will er auch das Problem von Tausenden streunenden Hunden von Nichtjägern.

 

Ja sagten die Delegierten zur Schaffung einer Geschäftsstelle des Berner Jägerverbandes. Diese ist mit einem Jahresetat von maximal 25'000 Franken dotiert.

 

Chancenlos waren an der Delegiertenversammlung in Perrefitte sämtliche Anträge der Sektionen: Nein zur Forderung, die Schnepfenjagd solle im ganzen Kanton erlaubt werden; Nein zur Forderung, die Jagd auf Fuchs und Dachs solle bereits am 2.August beginnen (ein Monat früher); Nein zur Forderung, die Baujagd solle bis am 15.Februar verlängert werden (heute 31.Dezember).

 

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